Venezuela will aus Organisation Amerikanischer Staaten austreten

Donnerstag, 27.04.2017  

04:22 Uhr

In Venezuela demonstrieren täglich tausende Menschen gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro. Die wirtschaftliche Lage in dem südamerikanischen Land ist prekär. Inmitten der schweren Krise hat Venezuela nun angekündigt, aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) auszutreten.

“Morgen werden wir der OAS das Austrittschreiben zustellen und den Prozess einleiten, der 24 Monate dauert”, sagte Außenministerin Delcy Rodríguez im Fernsehsender VTV. Der Rückzug erfolgte nach ihren Angaben auf Anweisung von Präsident Nicolás Maduro. Die in Washington ansässige OAS nannte die Ministerin eine von den USA angeführte “interventionistische Koalition”.

Zuvor hatte der Permanente Ausschuss der OAS eine Sitzung der Außenminister des Staatenbundes einberufen, um die Lage in Venezuela zu erörtern. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Oppositionellen, Regierungsanhängern und Sicherheitskräften kamen seit Anfang April in Venezuela mindestens 32 Menschen ums Leben.

Auch am Mittwoch gingen erneut Anhänger und Gegner Maduros auf die Straße. Die Polizei setzte Tränengas ein, Demonstranten warfen Steine. Während sich Unterstützer des Staatschefs nahe dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Caracas versammelten, wurden die Regierungsgegner auf ihrem Protestmarsch zunächst von der Polizei gestoppt.

OAS-Generalsekretär kritisierte Venezuela mehrfach heftig

Seit Monaten liefert sich die sozialistische Regierung einen harten Machtkampf mit dem von der Opposition dominierten Parlament. Zuletzt hatte der regierungstreue Oberste Gerichtshof die Nationalversammlung entmachtet. Wenig später wurde die Entscheidung wieder zurückgenommen. Dem einflussreichen Oppositionsführer Henrique Capriles wurde für 15 Jahre das passive Wahlrecht entzogen.

Venezuela leidet zudem unter hoher Kriminalität und einer schweren Wirtschaftskrise. Das ölreichste Land der Welt steht vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden.

OAS-Generalsekretär Luis Almagro hatte die venezolanische Regierung zuletzt immer wieder heftig kritisiert und Neuwahlen in dem südamerikanischen Land gefordert. Die Demokratie in Venezuela sei “tödlich verletzt”, sagte er vor kurzem. Für die Sozialisten in Venezuela ist der Uruguayer längst ein Staatsfeind. Zu Ostern brannten in dem Land Judas-Figuren mit dem Konterfei Almagros.

“Niemals werden wir zulassen, dass kriecherische Lohnsklaven Venezuela beleidigen”, schrieb Rodríguez am Mittwoch auf Twitter. “Venezuela zieht sich aus der OAS zurück für seine Würde, Unabhängigkeit, Souveränität, für den Frieden und die Zukunft des Vaterlandes.”

Die Organisation Amerikanischer Staaten hat 35 Mitgliedsstaaten und soll die Demokratie sowie die Menschenrechte verteidigen und die Kooperation zwischen den Ländern stärken. Zwar halten Venezuelas Verbündete wie Bolivien, Ecuador und Nicaragua weiter zu Maduro. Allerdings gilt die OAS im Gegensatz zu anderen Regionalbündnissen in Lateinamerika als von den USA dominiert.

Source : http://www.spiegel.de/politik/ausland/venezuela-will-aus-organisation-amerikanischer-staaten-austreten-a-1145037.html#ref=rss

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