Militär unterbricht Angriff auf Mossul | ZEIT ONLINE

Die irakischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben die Rückeroberung der Stadt Mossul wegen der hohen Zahl ziviler Opfer unterbrochen. Aufgrund der zahlreichen Verluste unter der Zivilbevölkerung in der Altstadt würden die Vormarschpläne überarbeitet, sagte ein Sprecher der Polizeikräfte am Samstag. “Zurzeit finden keine Kampfeinsätze statt.” Mossul ist das letzte irakische Zentrum der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS), seit Monaten versucht die irakische Armee, die Stadt einzunehmen.

Paralell zu dem Vormarsch am Boden fliegt eine von den USA unterstützte Anti-IS-Koaltion Luftangriffe auf Mossul. Dabei seien in den letzten Tagen mehr als 130 Menschen gestorben, sagte der Gouverneur der Provinz, Nawfal Hammadi. Hunderte Opfer lägen noch in verschiedenen Vierteln West-Mossuls unter
den Trümmern, teilte der Zivilschutz mit. Sie könnten nicht geborgen
werden, weil IS-Scharfschützen das verhinderten und Helfer nicht in der
Lage seien, die Trümmer zu heben. Die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe im Irak, Lise Grande, erklärte, die UN seien wegen der zivilen Verluste sehr besorgt.

Laut dem irakischen Zivilschutz ist die Zahl der insgesamt getöteten Zivilisten bei der Offensive auf Mossul stark gestiegen. Seit Beginn des Angriffs auf den Westteil der Stadt im Februar seien mehr als 3.000 Zivilisten ums Leben gekommen, sagte am Freitag ein Vertreter der Zivilverteidigung, der ungenannt bleiben wollte. Unter ihnen seien Kinder, Frauen und Alte.

400.000 Zivilisten sitzen fest

In der hart umkämpften Metropole sitzen nach Angaben der UN insgesamt noch rund 400.000 Zivilisten fest. Aus Angst vor den IS-Heckenschützen würden viele Menschen nicht flüchten. Regierungstruppen haben mit Unterstützung von US-Luftangriffen bereits den Osten der Stadt und über die Hälfte des Westens unter Kontrolle gebracht. Die Internetseite Airwars.org, ein Projekt von Journalisten, warf den USA vor, die Zahl der zivilen Opfer bei Angriffen der Koalition sei zuletzt stark gestiegen. Berichten zufolge benutzt der IS Zivilisten als Schutzschilde und drohen jedem mit Erschießung, der fliehen will.

Der Vormarsch der Regierungstruppen steckt vor allem in den engen Straßen der Altstadt Mossuls fest. Hier liegt auch die bekannte, jahrhundertealte Al-Nuri-Moschee, von der IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi im Juni 2014 ein Kalifat ausgerufen hatte. Die Rückeroberung der  Moschee wäre für die Islamisten eine symbolhafte Niederlage.

“Es ist an der Zeit, neue Offensivpläne und Taktiken zu erwägen”, sagte der Sprecher der irakischen Sicherheitskräfte vor Ort. Es müsse sichergestellt werden, dass die Vertreibung des IS nicht zu unerwünscht hohen Opferzahlen unter der Bevölkerung führe. Nötig seien “chirurgisch präzise” Operationen gegen die IS-Kämpfer. Am Freitag hatte US-Brigadegeneral John Richardson, ein stellvertretender Kommandeur der Anti-IS-Koalition, gesagt, es werde unter anderem überlegt, die Altstadt vom Rest der Stadt zu isolieren. Zudem könnten die irakischen Kräfte eine weitere Front eröffnen, um die IS-Miliz zu zwingen, an zwei Orten gleichzeitig zu kämpfen.

Source : http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-03/irak-mossul-altstadt-is

Auteur : ZEIT ONLINE: Ausland –

Date de parution : 25 March 2017 | 1:56 pm

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