Erneut zwei Tote bei Protesten gegen Staatschef Maduro | ZEIT ONLINE

Bei Protesten gegen Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro sind am Montag erneut zwei Menschen getötet worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die beiden Männer in zwei Städten im Westen des Landes erschossen. So wurde in der Stadt Mérida ein Anhänger Maduros bei einer regierungsfreundlichen Kundgebung von einer Kugel tödlich getroffen. In Barinas ebenfalls im Westen des Landes wurde dagegen ein Regierungsgegner von sozialistischen “Paramilitärs” getötet.

Damit steigt die Zahl der Toten seit Beginn der Protestwelle gegen den sozialistischen Staatschef auf 24. Seit Anfang April haben die Regierungsgegner
zu mehreren Großkundgebungen aufgerufen, die immer wieder in Gewalt zwischen
Sicherheitskräften und Demonstranten ausarteten. Anhänger von Maduro gingen
ihrerseits massenhaft auf die Straße. Beide Seiten machen sich
gegenseitig für die Gewalt verantwortlich.

Am Montag kam es in insgesamt mindestens zwölf Städten zu Sitzprotesten, in
der Hauptstadt Caracas setzten Einsatzkräfte allerdings erneut Tränengas, um
gegen Demonstranten vorzugehen.

Einige Protestierende hatten ihre Gesichter verhüllt und warfen
Steine auf Polizisten. In den meisten Gegenden von Caracas blieb es
jedoch während der Sitzblockaden friedlich. “Wir wollen frei sein.
Ich bin hier, weil ich für meine Kinder und meine Enkelkinder
kämpfe”, sagte Juan Carlos Bautista, der auf der Straße sitzend
Domino spielte. Tausende machten aus dem Protest in der Hauptstadt
einen Tag mit Picknick und Gesellschaftsspielen. Demonstranten
setzten sich mit Klappstühlen auf Hauptstraßen und reihten Motorräder
auf.

Venezuela steckt seit Monaten in einer tiefen politischen Krise. Eigentlicher Anlass für die jüngsten Proteste war aber die Entscheidung des obersten
Gerichtshofs, das von der Opposition kontrollierte Parlament zu entmachten. Dies war erst nach internationaler und inländischer
Kritik wieder rückgängig gemacht worden. Darüber hinaus machen konservative und rechtsgerichtete Regierungsgegner Maduro für die schwere Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land verantwortlich. Sie kämpfen für eine Volksabstimmung über eine Absetzung des sozialistischen Präsidenten, dessen Mandat regulär im kommenden Jahr endet. Die Opposition verlangt außerdem einen Termin für die verschobenen Gouverneurs- und die anstehenden Regionalwahlen.

Bereits am Sonntag hatte sich Maduro für Letzteres bereit erklärt, ohne aber einen Termin zu nennen. Seinen Gegnern werde er nicht
nachgeben, sagte der Präsident und sprach sich zugleich aber für die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Regierung und Opposition aus. Die Gespräche unter Vermittlung des Vatikans waren im Dezember gescheitert. Oppositionsführer Henrique Capriles kündigte indes eine Fortsetzung der Proteste an, bis Maduro die Verfassung respektiere und seinen Staatsstreich beende.

Source : http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/nicolas-maduro-venezuela-protest-gewalt

Auteur : ZEIT ONLINE: Ausland –

Date de parution : 25 April 2017 | 5:52 am

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